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Wissenschaft sprechen lernen: Kommunikation gegen Postfaktizismus

Prof. Dr. Hubert Trübel

Reflexiv
Gesellschaft & Demokratie Kultur & Geschichte
Präsenz  / max. 30 Teilnehmende
deutsch
Wöchentlicher Termin am Stufu-Donnerstag / nachmittags
Teilnahmemodalitäten
Termine
UWE

Die Lehrveranstaltung „Wissenschaft sprechen lernen: Kommunikation gegen Postfaktizismus" verbindet Grundlagen wissenschaftlicher Evidenz mit praxisorientiertem Kommunikationstraining. Im Zentrum steht die Frage, wie wissenschaftliche Aussagen in einer Öffentlichkeit vermittelt werden können, die häufig von Verschwörungserzählungen, falscher Expertise, Abwertung seriöser Expertinnen und Experten, logischen Fehlschlüssen und unrealistischen Erwartungen an Wissenschaft geprägt ist.

Die Studierenden lernen, wissenschaftliche Befunde nicht nur korrekt wiederzugeben, sondern sie verständlich, fair und glaubwürdig einzuordnen. Dazu gehören der Umgang mit Evidenzhierarchien, die Erklärung komplexer Zusammenhänge ohne Fachjargon, die Prüfung von Expertise, respektvolle Korrektur falscher Behauptungen, das Erkennen argumentativer Fehlschlüsse sowie die transparente Kommunikation von Unsicherheit.

Der Kurs ist stark übungsorientiert und arbeitet mit kurzen Redeformaten, Feedbackrunden und Toastmaster-inspirierten Methoden. In praktischen Übungen trainieren die Teilnehmenden, kontroverse Themen strukturiert darzustellen, Gegenpositionen fair zu behandeln und wissenschaftliche Redlichkeit rhetorisch überzeugend zu vertreten. Ziel ist es, Studierende zu befähigen, in öffentlichen, beruflichen und akademischen Kontexten klarer, präziser und vertrauenswürdiger über Wissenschaft zu sprechen.

Prof. Dr. Hubert Trübel

Hubert Trübel

Prof. Dr. med. Hubert Trübel ist Arzt, Wissenschaftler und Unternehmer mit langjähriger Erfahrung an der Schnittstelle von klinischer Medizin, pharmazeutischer Forschung und Innovation. Nach seiner Ausbildung in Pädiatrie, Intensivmedizin und Kardiologie sowie Forschungsstationen u. a. an der Yale University war er viele Jahre in leitenden Funktionen bei Bayer Pharma tätig, zuletzt als SVP Translationale Medicine.

Heute arbeitet er als Geschäftsführer und Gründer im Bereich Biotech- und MedTech-Beratung und beschäftigt sich insbesondere mit evidenzbasierter Prävention, Longevity und der Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in praktische Anwendungen. Seine Arbeit verbindet medizinische Expertise mit strategischem Denken und einem starken Fokus auf reale Wirkung im Gesundheitssystem.

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Ziele & Kompetenzen

Die thematischen Schwerpunkte des Kurses folgen einer aufbauenden Wochenstruktur. In Woche 1 werden Grundlagen postfaktischer Kommunikation eingeführt und anhand konkreter Beispiele aus Medien, Social Media oder öffentlicher Debatte diagnostiziert. Woche 2 widmet sich dem Umgang mit Evidenz, insbesondere dem Unterschied zwischen Einzelstudien, Reviews, Leitlinien und wissenschaftlichem Konsens. In Woche 3 steht die verständliche Erklärung von Komplexität im Mittelpunkt, etwa im Zusammenhang mit Verschwörungserzählungen. Woche 4 behandelt die Unterscheidung zwischen echter und falscher Expertise. Woche 5 fokussiert auf respektvolle Korrektur falscher Aussagen, Woche 6 auf logische Fehlschlüsse und argumentative Struktur. In Woche 7 lernen die Studierenden, Unsicherheit, Wahrscheinlichkeit und Risiko verständlich zu kommunizieren. Woche 8 dient der Integration des Gelernten in einer abschließenden Rede zu einem kontroversen wissenschaftlichen Thema.

Auf der Wissensebene sollen die Studierenden zentrale Muster postfaktischer Kommunikation erkennen und verstehen: Verschwörungserzählungen, falsche Expertise, Abwertung seriöser Expertinnen und Experten, logische Fehlschlüsse sowie unrealistische Erwartungen an wissenschaftliche Sicherheit. Sie lernen, wissenschaftliche Evidenz einzuordnen, Komplexität nicht als Schwäche wissenschaftlicher Aussagen zu verstehen und Unsicherheit als Bestandteil redlicher Wissenschaftskommunikation zu begreifen.

Auf der Handlungsebene erwerben die Studierenden Kompetenzen, um wissenschaftliche Inhalte klar, fair und glaubwürdig zu kommunizieren. Sie üben wöchentlich kurze Redeformate, evidenzbasierte Einordnung, die Prüfung von Expertise, respektvollen Widerspruch, das Benennen und Entkräften von Fehlschlüssen sowie die transparente Darstellung von Unsicherheit. Durch strukturierte Übungen und Feedback entwickeln sie rhetorische Sicherheit, argumentative Präzision und die Fähigkeit, wissenschaftliche Aussagen in öffentlichen, akademischen und beruflichen Kontexten verantwortungsvoll zu vertreten.