Meine UWH
Menü schließen

High-Stakes Environments: Wie wir unter Druck denken, entscheiden, führen - und daraus etwas bauen, das trägt

Prof. Dr. Kai Hensel

Reflexiv
Selbst & Persönlichkeit Wirtschaft & Organisation
Präsenz  / max. 30 Teilnehmende
deutsch
Anders / nachmittags
Teilnahmemodalitäten
Termine
UWE

Cockpit kurz vor der Landung. Operationssaal mitten in der Komplikation. Startup mit auslaufendem Funding. Gerichtssaal vor dem Urteil. Es gibt Umfelder, in denen Entscheidungen in Kürze fallen müssen, Fehler nicht rückgängig zu machen sind und der Druck nie ganz aufhört. Das ist faszinierend von außen, hart von innen. Wer in solchen Umfeldern arbeitet, trägt Verantwortung, die weit über das Übliche hinausgeht.

Ein besonders greifbares Beispiel ist das Gesundheitswesen: ein zentrales gesellschaftliches System unter enormem Druck: Arbeitsverdichtung, Personalmangel, ökonomische Zwänge, wachsende Erwartungen. Doch Medizin ist nur ein Beispiel für ein größeres Phänomen. High-Stakes-Umfelder finden sich in fast jedem Bereich, den man später einschlagen kann: Ein politischer Krisenstab, der binnen Stunden eine Entscheidung mit gesellschaftsweiter Tragweite treffen muss. Eine Verhandlung in einer Geiselnahme, in der Worte über Leben entscheiden. Eine Schlagzeile oder ein Video-Statement, das kurzfristig publiziert werden muss…

So unterschiedlich diese Felder sind, so ähnlich sind die Fragen: Wie entscheidet man gut, wenn Zeit und Information knapp sind? Wie kommuniziert und führt man, wenn Fehler teuer sind? Wie bleibt man belastbar und menschlich, wenn der Druck nie aufhört?

Ein zentrales Spannungsfeld, das der Kurs offen adressiert: High-Stakes-Arbeit verlangt harte Arbeit und Ausdauer, mit Schweiß, nicht nur Haltung. Gleichzeitig haben jüngere Generationen zu Recht höhere Ansprüche an Lebensqualität, Sinn und Vereinbarkeit als frühere Generationen das oft eingefordert haben. Das ist kein Widerspruch, sondern eine zentrale Gestaltungsfrage: Wie bleiben Systeme leistungsfähig, ohne Menschen zu verheizen? Diese Frage zieht sich durch den gesamten Kurs.

Von der Analyse zur Antwort: Der Kurs bleibt nicht bei der Analyse stehen, sondern erprobt eine konkrete Antwort: den Aufbau einer eigenen Marke und Community. Am Beispiel eines real laufenden gemeinnützigen Projekts - einer non-profit Initiative für Menschen im Gesundheitswesen, die genau diese Themen aufgreift und ihnen mit Evidenz, echten Geschichten und konkreten Alltagstools etwas entgegensetzt - untersuchen und erproben die Studierenden, wie man aus einer Herausforderung eine wirksame, gemeinschaftsstiftende Antwort macht.

Prof. Dr. Kai Hensel

Kai Hensel

Ich bin Kinder- und Jugendarzt, Chefarzt und selbst UW/H-Alumnus. In meinem klinischen Alltag treffe ich regelmäßig Entscheidungen unter Zeitdruck und Unsicherheit, bei denen Fehler mitunter keine zweite Chance zulassen. Neben der Klinik baue ich gerade #YEAHmedics auf, eine gemeinnützige Initiative für Menschen im Gesundheitswesen, die Erfahrungen aus dem Hochdruck-Alltag in echte Geschichten und konkrete Impulse übersetzt. In meinen StuFu Kurs bringe ich beide Seiten ein: die klinische Erfahrung im High-Stakes-Umfeld und den praktischen Aufbau einer Marke, die daraus etwas Sichtbares macht. Ich freue mich auf einen Kurs, der genauso konkret und spannend wird wie die Situationen, aus denen er entstanden ist.

Seminar zur Merkliste hinzufügen

Ziele & Kompetenzen

Im Zentrum stehen vier Kompetenzfelder:

•  Entscheidungsfindung unter Druck – gute Entscheidungen bei Zeitnot, Unsicherheit oder unvollständiger Information, Prioritäten setzen und wirksam handeln

•  Teamarbeit und Kommunikation in kritischen Situationen – Zusammenarbeit, wenn Fehler gravierende Folgen haben

•  Menschlichkeit und Selbstwirksamkeit – Haltung und eigene Motivation auch unter Druck bewahren, das eigene "Ding" finden statt sich im System zu verlieren

•  Resilienz, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität – belastbar bleiben, ohne zynisch oder ausgebrannt zu werden

Als roter Faden zieht sich durch den Kurs die Frage: Wie wird aus alldem etwas, das trägt? Die Studierenden übertragen das Gelernte auf den Aufbau einer eigenen "Marke" – die ganz unterschiedlich groß gedacht werden kann: die eigene Person und Reputation, eine Abteilung oder ein Team, ein eigenes Startup oder eine ganze Community. Entscheidend ist die Übung selbst: aus Haltung, Kompetenz und echten Geschichten etwas Sichtbares und Tragfähiges zu bauen.