Gilt die Gleichung: Leben = Physik + Chemie?
Gilt die Gleichung: Leben = Physik + Chemie?
Für das Verständnis des menschlichen Organismus hat die Beantwortung dieser Frage große Konsequenzen. Lautet die Antwort ja, dann wäre alles im Organismus kausal durch die physikalischen und chemischen Abläufe erklärbar. Der Organismus könnte somit als Maschine betrachtet werden, in der alle Abläufe vorhergesagt werden können. Damit wäre der Mensch allerdings auch aller Kreativität, Verantwortung und Freiheit beraubt, denn für diese Eigenschaften ist mit diesem Verständnis kein Platz vorhanden. Die Seminarfrage ist nicht nur prinzipieller Natur, sie ist auch im Studienalltag bedeutungsvoll. Beispielsweise wird in der medizinischen Ausbildung nach Kausalketten für die Entstehung von Krankheiten gefragt; oder für die Entstehung von Emotionen und Gedanken wird das Zusammenspiel vieler Neuronen in unterschiedlichen Hirnregionen herangezogen. Im Seminar werden zuerst die Ursprünge der Seminarfrage erarbeitet. Der physikalisch-chemische Standpunkt wird anhand des gleichnamigen Aufsatzes des Quantenphysikers Walter Heitler (Schüler von Niels Bohr und Erwin Schrödinger) bearbeitet. Dabei wird sich die Frage stellen: Wo ist ein kausales Verständnis des Organismus gerechtfertigt und wo nicht? Welche Ergänzungen braucht die Seminarfrage im Hinblick auf ein grundlegendes Verständnis des menschlichen Organismus und des Menschen? Den Antworten auf diese Fragen wollen wir uns im Seminar nähern.
Prof. Dr. Dirk Cysarz
Als Physiker an der UW/H (einer von wenigen) interessieren mich seit vielen Jahren insbesondere die Herzrhythmen und deren vegetative Regulation (Stichwort: Herzfrequenzvariabilität). Damit erforsche ich gemeinsam mit KollegInnen im Rahmen des Integrierten Begleitstudiums Anthroposophische Medizin u.a. Wirkungen von kunsttherapeutischen Verfahren auf die Herzrhythmik. Darüber hinaus interessieren mich die vielen anderen Rhythmen im menschlichen Organismus (Chronobiologie). Diese körpereignen Rhythmen sind Ausdruck von vielfältigen, oft ineinander greifenden, autonomen Regulationen. Eine Eigenschaft dieser Regulationen ist in vielen Fällen ein außerordentliches Maß an Adaptationsfähigkeit. Anders ausgedrückt: der menschliche Organismus hat ein hohes Maß an Selbstregulation. Wie kann man diese Selbsregulation verstehen? Reichen Physik und Chemie? Und: kann/muss man sie im Krankheitsfall bzw. in der Therapie einbeziehen?
PD Christian Scheffer
Mich beschäftigt die Frage, wie Studierende lernen, komplexe Veränderungen sinnhaft zu gestalten; und ob dies so gelingt, dass wir gemeinsam Probleme lösen und Studierende dazu einen eigenständigen Beitrag leisten. In Kurzform: ob transformative Bildung durch Co-Kreativität möglich ist.
Im Gemeinschaftskrankenhaus bin ich als internistischer Oberarzt tätig, in der UWH in der kollegialen Leitung des Integrierten Begleitstudiums Anthroposophische Medizin. Seit 2007 leite ich die PJ-Ausbildungsstation, in der Medizinstudierende Patient:innen mitbetreuen.
Ziele & Kompetenzen
Ursprünge der physiko-chemischen Sichtweise des menschlichen Organismus.
Konsequenzen und Grenzen der physiko-chemischen Sichtweise des menschlichen Organismus.
Welche Eigenschaften fehlen für eine humanistischere Sichtweise auf den menschlichen Organismus?