Gesundes Wirtschaften
Aristoteles hat in der Politik, Buch I, Kapitel 8–10 zwischen „natürlicher" und „widernatürlicher Wirtschaft" unterschieden. Genauer beschreibt er Oikonomia (οἰκονομία) „natürliches Wirtschaften" als Erwerbs- und Hausverwaltungskunst mit Bedarfsdeckung für Haus/Stadt als natürliche, begrenzte Erwerbskunst mit natürlicher Finanzkunde. Diese soll den Bedarf des Haushalts (an Waren) sichern. In den Gegensatz dazu stellt er Chrematistike (χρηματιστική), „widernatürliches Wirtschaften". Diese bedeutet Geldvermehrungskunst und Krämerwesen als unbegrenzte Kapitalakkumulation. Er zitiert darin auch die Midas-Sage, laut derer König Midas in seiner maßlosen Sucht nach Gold (am Ende verwandelt sich alles, was er anfasst, in Gold) daran verhungert ist. Die krämerhafte Finanzkunde kennt keine Grenze der Geldvermehrung.
Passt Aristoteles' Unterscheidung noch in die heutige Zeit oder sollte man die Frage anders stellen? In der derzeitigen Phase der Entwicklung, wo ein Großteil der natürlichen Lebensgrundlagen entweder umgewandelt oder zerstört ist, scheint es angemessen, andere Kategorien zur Beschreibung von Wirtschaften zu suchen. Ausgehend vom derzeitigen Krankheitszustand, z. B. gemessen an den planetaren Grenzen des Stockholm Resilience Center, wollen wir anstelle von „natürlich" und „widernatürlich" nach Kriterien für „gesundes" bzw. „ungesundes" Wirtschaften suchen. Dahinter steht die Hypothese, dass nicht nur belebte, sondern auch soziale Systeme und Gemeinschaften über Selbststeuerungs- und Selbstheilungspotenziale verfügen, die man aktivieren kann, wenn man ihnen den „richtigen", d. h. „gesunden" Rahmen setzt.
Wir wollen damit den Begriff „Gesundheitsökonomie" umdrehen. Anstelle von: Was sind die ökonomischen Prinzipien eines Gesundheitswesens, fragen wir: Was sind die Gesundheitsprinzipien eines Wirtschaftswesens? Und daraus folgend: Was können Teilnehmende am Wirtschaftswesen, die aus anderen akademischen Disziplinen kommen, zu dessen Analyse und Gesundung beitragen?
Dr. Hermann Kremers
Hermann Kremers ist Ökonom mit Schwerpunkt 'Politik der Gesamtwirtschaftlichen Steuerung'. Schon seit seiner Jugend interessiert er sich für Fragen der Organisation von Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Organisationen. In den letzten fünfzehn Jahren hat er in Asien und Afrika gelebt. Dort war er als Führungskraft bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auslandseinsatz. Hauptarbeitsfeld war wirtschaftliche Zusammenarbeit in den Feldern von landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten und Schutz von Biodiversität.
Im Rahmen des Instituts für Kulinaristik&Management berät er Unternehmen und Führungskräfte aus dem Ernährungsgewerbe. Bis 2005 war er als Projektleiter Weiterbildung am Deutschen Kompetenzzentrum für Nachhaltiges Wirtschaften (DKNW) der Universität Witten/Herdecke. Von 1996-2001 war er Koordinator der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Universität Witten/Herdecke. 1995 war er Professor für Applied Micro-Economics am Kazakhstan Institute for Management, Economics and Strategic Research (KIMEP) in Almaty, Kazakhstan. Von 1993-1995 nahm er Erziehungsurlaub. Während seines Studiums war er als teilzeitbeschäftigter Mitarbeiter stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der DHL Worldwide Express GmbH Deutschland und Leiter des Wirtschaftsausschusses des Gesamtbetriebsrates.
Im Rahmen seiner Dissertation zum Dr. rer. pol. beschäftigte er sich mit den Möglichkeiten der Konsumentensteuerung der Wirtschaft - ausgehend von Adam Smith Aussage: „Consumption is the sole end and purpose of all production; and the interest of the producer ought to be attended to, only so far as it may be necessary for promoting that of the consumer.“ Seine Diplomarbeit schrieb er zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung über die Integration des DDR-Gesundheitswesens in das der BRD. Er hatte sich dazu an der Hochschule für Ökonomie in Berlin Karlshorst/DDR eingeschrieben und vor Ort die Wiedereinigung verfolgt.
Mit 15 gewann er durch einen Ferienjob bei einer Baufirma erste Einblicke in die Arbeitswelt. Dadurch wurde sein Interesse an Formen der Organisation von Zusammenarbeit geweckt. Während seiner Schul- und Studienzeit ging er diesem Interesse mit Jobs in den unterschiedlichsten Branchen weiter nach.
Hermann Kremers ist Yoga-Lehrer und Segler, er kocht, backt und isst gerne gut.
Ziele & Kompetenzen
Volkswirtschaftslehre
Philosophie
Medizin
Psychologie
Biologie / Soziologie
Die Teilnehmenden sollen beschreiben können, welche Faktoren und Wechselwirkungen zur Entstehung und Erhaltung von Gesundheit im Wirtschaftssystem führen.