Endlichkeit gestalten: Sterben und Trauer im digitalen Kontext
Prof. Dr. Theresa Sophie Busse
Sterben, Tod und Trauer gehören zu den grundlegenden Erfahrungen unseres Lebens und werden zugleich durch digitale Technologien zunehmend mitgestaltet. Die Lehrveranstaltung lädt dazu ein, sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Sterben, Trauer, Vorsorge und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und dabei Kompetenzen für den persönlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Endlichkeit zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen Konzepte der Death und Grief Literacy sowie Fragen zu Selbstbestimmung, Fürsorge und Verantwortung. Neben theoretischen Grundlagen werden praxisnahe Themen wie Hospiz- und Palliativversorgung, Patient:innenverfügung und Vorsorgevollmacht, digitaler Gesundheitsversorgung am Lebensende, digitalen Trauerpraktiken sowie dem digitalen Nachlass behandelt. Gastvorträge aus Hospizarbeit, Vorsorgeberatung und Bestattungswesen ermöglichen Einblicke in unterschiedliche Praxisfelder.
Ein zentrales Element der Veranstaltung ist die Entwicklung eines „Koffers für die letzte Reise", in dem persönliche, soziale, organisatorische und digitale Aspekte von Vorsorge und Abschied reflektiert und zusammengeführt werden. Der Prozess soll neben der Wissensvermittlung Orientierung geben und zugleich einen geschützten Rahmen schaffen, in dem reflektiertes Ausprobieren möglich wird.
Prof. Dr. Theresa Sophie Busse
Ich bin Inhaberin der Juniorprofessur für Digital Health an der Universität Witten/Herdecke. In der Lehre beschäftige ich mich mit vielfältigen Themen rund um Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie Zukunftskompetenzen. Hier bringe ich meine Erfahrung aus der Arbeit als Gesundheits- und Krankenpflegerin (B.Sc.) in verschiedenen Settings (Krankenhaus, Hospiz) sowie Forschung, Entwicklung und Management in Rehabilitation/Gesundheit (M.A.) und Angewandte Ethik (M.A.) ein. Mich interessieren Fragen der Gerechtigkeit in vielfältiger Hinsicht.
In meiner Forschung fokussiere ich die Untersuchung von Akzeptanz- und Implementierungsfaktoren von digitalen Technologien in der Gesundheitsversorgung sowie der digitalen Gesundheitskompetenz.
Dr. Julia Nitsche
Seit 2019 bin ich an der UW/H zuhause. Zunächst als Doktorandin, heute als Postdoc am Lehrstuhl für Didaktik und Bildungsforschung im Gesundheitswewsen. Schon während meines Studium der Wirtschaftspsychologie an der University of Europe for Applied Sciences habe ich schnell meine Leidenschaft für digitales Lernen entdeckt: Wie müssen Lerninhalte gestaltet sein, damit sie wirklich ankommen? Was motiviert Studierende? Wie können digitale Formate Lernen nicht nur erleichtern, sondern bereichern? Und welche Rolle spielt KI dabei?
Am liebsten entwickle ich Antworten gemeinsam mit den Lernenden selbst. Ihre Perspektiven, Wünsche und Bedürfnisse fließen unmittelbar in meine Arbeit ein. Neue Lehr- und Lernformate auszuprobieren, bedeutet für mich auch neugierig und experimentierfreudig zu sein, um Lernen lebendig zu machen. Dabei sehe ich Lernen als Dialog, als Kooperation und als Raum, in dem wir Zukunft gestalten können.
Teilnahmemodalitäten
Interesse an Umgang mit Trauer, Krankheit und Sterben.
Ziele & Kompetenzen
Thematische Schwerpunkte der Lehrveranstaltung sind Sterben, Tod und Trauer im Kontext von Digital Health. Behandelt werden Konzepte der Death und Grief Literacy, gesellschaftliche und kulturelle Perspektiven auf Sterben und Trauer, Hospiz- und Palliativversorgung, Patient:innenverfügung und Vorsorgevollmacht, digitale Gesundheit am Lebensende, digitale Trauerpraktiken sowie Fragen des digitalen Nachlasses. Die Lehrveranstaltung verbindet wissenschaftliche Perspektiven mit Praxisbezügen durch die Einbindung externer Expert:innen.
Auf der Wissensebene erwerben die Studierenden Kenntnisse über gesellschaftliche, rechtliche, ethische und digitale Aspekte von Sterben, Tod und Trauer. Sie kennen zentrale Konzepte der Death und Grief Literacy und können Chancen, Herausforderungen und Zielkonflikte der Digitalisierung am Lebensende analysieren und kritisch reflektieren.
Auf der Handlungsebene entwickeln die Studierenden Kompetenzen zur ethischen Urteilsbildung, zur Reflexion eigener Haltungen gegenüber Sterben und Trauer sowie zur verantwortungsvollen Gestaltung von Vorsorge- und Abschiedsprozessen. Sie lernen, komplexe Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten, wissenschaftliche Erkenntnisse auf konkrete Handlungssituationen zu übertragen und begründete Entscheidungen im Kontext von Digital Health zu treffen. Durch die Entwicklung eines „Koffers für die letzte Reise" werden Reflexions-, Gestaltungs- und Handlungskompetenzen praxisnah gefördert.