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Die Kunst der Urteilsbildung

Dr. David Hornemann v. Laer

Reflexiv
Gesellschaft & Demokratie Selbst & Persönlichkeit
Präsenz  / max. 20 Teilnehmende
deutsch
14-tägliche Lehrveranstaltung / vormittags
Teilnahmemodalitäten
Termine
UWE

Sowohl im Feld der Wissenschaft als auch für das eigene Leben ist die Urteilsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Nur wenn ich erkennen kann, was wirklich passiert, wenn ich zwischen Information und Interpretation, Tatsache und Ideologie, Argument und bloßer Behauptung unterscheiden kann, eröffnet sich mir die Chance, zur Wissenschaft etwas beizutragen und meinen eigenen, selbstbestimmten Weg zu gehen.

Gerade in gegenwärtigen Debatten zeigt sich jedoch eine eigentümliche Erosion des Urteilens. Der Begriff der „Meinung“ wird beispielsweise häufig mit dem eines begründeten Urteils verwechselt. Dabei ist eine Meinung zunächst nichts weiter als eine subjektive Position, die erst durch exakte Beobachtung und damit verknüpfte Gedankenbildung den Status eines Urteils gewinnen kann. Zudem bleibt oft unberücksichtigt, dass möglichst vielfältige, einander widersprechende Meinungen den Denkraum vergrößern und den Weg zu einem begründeten Urteil erleichtern.

Hinzu kommt ein weiteres Problem, das auch die Wissenschaft selbst betrifft: die Illusion voraussetzungsloser Objektivität. Beobachtung und Analyse erfolgen in den meisten Fällen innerhalb eines Deutungsrahmens. Wer forscht, greift in seinen Gegenstand ein; wer urteilt, bringt immer auch eigene Annahmen, Wertungen und Denkgewohnheiten mit ein. Gerade die blinden Flecken des eigenen Mindsets bleiben dabei oft unbeachtet – und prägen Urteile umso stärker.

Das Seminar geht der Frage nach, wie Urteile entstehen, woran sie scheitern können und unter welchen Bedingungen sie überhaupt möglich sind. Anhand aktueller Beispiele aus Wissenschaft, Medien und Gesellschaft werden wir untersuchen, warum in einer Zeit permanenter Meinungsäußerung die Fähigkeit zum begründeten Urteil seltener zu werden scheint. Ziel ist es, Urteilsbildung nicht als spontane Reaktion, sondern als anspruchsvolle intellektuelle Praxis zu verstehen – und vielleicht sogar als eine Kunst.

Dr. David Hornemann v. Laer

David Hornemann v. Laer

Ich habe Kunstgeschichte und Erziehungswissenschaft studiert und mich in meinem Studium vor allem mit erkenntniswissenschaftlichen Fragen auseinandergesetzt.

Mich interessiert Kunst vor allem als Schule der Wahrnehmung. Mein Forschungsinteresse gilt dem Ziel, Kunstwerke so zu betrachten, dass sie aus sich selbst heraus sprechen.

In einer Zeit, die vom Dagegen-Sein geprägt ist, brauchen wir meiner Überzeugung nach weniger Abwehr und mehr Phantasie. Nicht Protest allein verändert die Welt, sondern gute Ideen, Sensibilität und Gestaltungsmut. Kunst hilft uns, genau das einzuüben: anders zu sehen, neu zu denken und Verantwortung für das eigene Gestalten zu übernehmen – im Umgang mit Umwelt, Gesellschaft und miteinander. Kunst bedeutet für mich Freiheit: die Freiheit, wahrzunehmen, bevor man urteilt, und zu gestalten, bevor man verurteilt.

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Ziele & Kompetenzen

Im Zentrum dieses Kurses steht die Frage, wie Urteile entstehen und wodurch sie beeinflusst werden. Anhand unterschiedlicher Beispiele aus Kunst, Wissenschaft und alltäglichem Erleben wollen wir gemeinsam untersuchen, wie Wahrnehmung, Denken und Interpretation zusammenwirken. Eigene Beispiele und Fragestellungen aus den jeweiligen Wissenschafts- und Arbeitsfeldern können dabei ausdrücklich eingebracht werden.

Das Seminar soll ein differenziertes Problembewusstsein für die vielfältigen Einflüsse auf unsere Urteilsbildung eröffnen und zugleich die eigene Fähigkeit fördern, Wahrnehmungen, Gedanken und Bewertungen bewusster zu reflektieren. Ziel ist es, die eigene Urteilsfähigkeit zu vertiefen und einen sensibleren Umgang mit den Voraussetzungen des Urteilens zu entwickeln.