Besitzen und Teilen. Kunst sammeln als unternehmerische und gesellschaftliche Aufgabe
Sammeln bedeutet mehr, als Dinge willkürlich zusammenzutragen. Es ist eine gezielte und langfristige Handlung, bei der den ausgewählten und miteinander kombinierten Dingen mehr Relevanz als den nicht ausgewählten eingeräumt wird. Damit aus einem Sammelsurium eine Sammlung wird, muss recherchiert, evaluiert und selektiert werden. Vor allem müssen Zeit und Geld investiert werden.
Gerade im Bereich der Gegenwartskunst betätigen sich Unternehmen und Privatpersonen im strategischen Sammeln. Weshalb finanzieren sie Ankäufe, Bewahrung und Präsentation eigener Kunstsammlungen? Wie entstehen hier die subjektiven Maßstäbe des Sammelns? Welche Verantwortung ist damit gegenüber den Künstler:innen, den Sammlungsobjekten und der Öffentlichkeit verbunden?
In diesem Seminar wird das Sammeln als kulturelle Praxis betrachtet. Dazu werden kulturwissenschaftliche, kunsthistorische und psychologische Perspektiven herangezogen. Dabei wird das Sammeln weniger mit der Motivation des prestigeträchtigen und exklusiven „Haben-Wollens" assoziiert, sondern vielmehr mit der gemeinschaftsstiftenden Intention des „Teilen-Wollens". Um Antworten auf die Frage zu finden, wie Sammeln mit gesellschaftlicher Teilhabe verbunden werden kann, werden Sammler:innen aus der Region zu einer öffentlichen Gesprächsreihe eingeladen. Die Teilnehmer:innen des Seminars richten diese drei Veranstaltungen aus (03.12.26, 14.01.27 und 28.01.27).
Prof. Dr. Renate Buschmann
Ich bin Kunstwissenschaftlerin und seit 2020 im Studium fundamentale am WittenLab tätig. An meinem Lehrstuhl „Digitale Künste und Kulturvermittlung“ beschäftige ich mich mit Themen und Entwicklungen der technologie- und zeitbasierten Künste seit der Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute und mit Formaten der Kulturvermittlung, die daraus entstehen. Lassen Sie uns über die Potenziale von Kunst sprechen, um die Gegenwart kritisch zu reflektieren und positive Ansätze zu entwickeln.
Ziele & Kompetenzen
In dem Seminar wird das Kulturphänomen des Sammelns thematisiert. Dabei wird eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Ursprüngen, Implikationen sowie wissenschaftlichen, kulturellen und individuellen Ausprägungen betrieben.
Aufbauend auf diesen Grundlagenkenntnissen liegt ein besonderer Fokus auf privaten Kunstsammlungen von Unternehmen aus der Region. Die Studierenden treffen solche Sammler:innen und diskutieren im direkten Austausch, inwieweit unternehmerisches und privates Engagement im Kunstbereich mit gemeinschaftsstiftenden Ansprüchen und gesellschaftlicher Teilhabe verbunden ist. Dabei erwerben sie die Fähigkeit, komplexe Wechselwirkungen zwischen unternehmerischem, künstlerischem und gesellschaftlichem Denken zu erkennen.
Das Seminar fördert insbesondere die Kompetenz, das eigene Spektrum an Beobachtungen und Meinungen um neue Perspektiven zu erweitern und sich auf Diskussionen vorzubereiten. Auf der Handlungsebene verlangt die gemeinsame Organisation der öffentlichen Gesprächsreihe mit Sammler:innen, in der die Studierenden die Rolle der Moderator:innen übernehmen sollen, die Fähigkeit, kommunikative und gestalterische Kompetenzen mit Reflexion über künstlerische Praxis zusammenzuführen. Ein Nachdenken über privates Engagement und die Potenziale von Kunst für eine egalitäre Gesellschaft wird vertieft und erhält neue Impulse.