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Albert Camus, Friedrich Nietzsche revisited: Die trügerische Welt (zivil-) religiöser Bewegungen

Prof. Dr. Werner Vogd

Reflexiv Stufu-Master
Gesellschaft & Demokratie Kultur & Geschichte
Präsenz  / max. 30 Teilnehmende
deutsch
14-tägliche Lehrveranstaltung / nachmittags
Teilnahmemodalitäten
Termine
UWE

Warum suchen Menschen nach Sinn – und was passiert, wenn diese Suche ins Leere läuft?

Zwischen Sinnsuche, Gemeinschaft und Selbstverlust bewegen sich viele der großen Fragen unserer Zeit. Dieses Seminar lädt dazu ein, sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern: philosophisch, anthropologisch und gesellschaftstheoretisch.

Im Anschluss an Friedrich Nietzsche diskutieren wir den Nihilismus, mit Albert Camus das Absurde. Ergänzt wird dies durch religionsanthropologische Überlegungen zur Entstehung von Sinn sowie durch Perspektiven der modernen Biologie, die die mögliche Zweckfreiheit des Lebens thematisieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf aktuellen gesellschaftlichen und politischen Bewegungen, die mit starken Sinnangeboten arbeiten – etwa in Form von Narrativen über Nation, Führung, Religion oder kollektive Identität.

Das Seminar kombiniert zentrale Texte (u. a. von Albert Camus und Bruno Latour) mit Diskussionen, kurzen Inputs und interaktiven Formaten. Eigene Perspektiven und Impulsreferate sind ausdrücklich willkommen.

Prof. Dr. Werner Vogd

Werner Vogd

s. Homepage der UWHWerner Vogd, geb. 1963, Prof. Dr., Universität Witten/Herdecke, Lehrstuhl für Soziologie, Forschungsschwerpunkte: Systemtheorie und rekonstruktive Sozialforschung, Leiblichkeit und Polykontexturalität, Religionssoziologie, Organisationssoziologie, Medizinsoziologie. Wichtige Veröffentlichungen: Vogd, Werner / Harth, Jonathan (2015): Die Praxis der Leere. Zur Verkörperung buddhistischer Lehren in Erleben, Reflexion und Lehrer-Schüler-Beziehung. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist. Vogd, Werner (2011): Zur Soziologie der organisierten Krankenbehandlung. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist.Vogd, Werner (2011): Systemtheorie und rekonstruktive Sozialforschung – Versuch einer Brücke. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Barbara Budrich, Leverkusen.

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Ziele & Kompetenzen

Thematische Schwerpunkte des Kurses:

Das Seminar beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen nach Sinn suchen und welche individuellen wie gesellschaftlichen Folgen entstehen können, wenn diese Suche scheitert oder ins Leere läuft. Im Zentrum stehen philosophische, anthropologische und gesellschaftstheoretische Perspektiven auf Sinn, Nihilismus, Absurdität, Religion, Gemeinschaft und kollektive Identität.

Behandelt werden insbesondere folgende Themen:

die menschliche Sinnsuche als philosophisches, anthropologisches und gesellschaftliches Grundproblem; Friedrich Nietzsches Diagnose des Nihilismus und deren Bedeutung für moderne Gesellschaften; Albert Camus' Auseinandersetzung mit dem Absurden und der Frage nach einem Leben ohne letzten Sinn; religionsanthropologische Perspektiven auf die Entstehung und Stabilisierung von Sinnordnungen; biologische und evolutionäre Perspektiven auf Leben, Zweckfreiheit und Kontingenz; moderne gesellschaftliche und politische Bewegungen, die starke Sinnangebote formulieren; Narrative von Nation, Führung, Religion, Gemeinschaft und kollektiver Identität; Ambivalenzen von Sinnstiftung: Orientierung, Zugehörigkeit und Gemeinschaft einerseits, Selbstverlust, Ideologisierung und Ausgrenzung andererseits.

Lernergebnisse auf der Wissensebene:

Die Studierenden sollen nach Abschluss des Seminars:

zentrale Begriffe wie Sinn, Nihilismus, Absurdität, Kontingenz, Religion, Gemeinschaft und kollektive Identität erläutern können; grundlegende Positionen von Friedrich Nietzsche, Albert Camus und ausgewählten weiteren Autorinnen und Autoren in ihren historischen und theoretischen Kontext einordnen können; verschiedene wissenschaftliche Perspektiven auf Sinnsuche unterscheiden können, insbesondere philosophische, anthropologische, religionswissenschaftliche, biologische und gesellschaftstheoretische Zugänge;

die Bedeutung von Sinnangeboten für individuelle Orientierung, soziale Zugehörigkeit und politische Mobilisierung nachvollziehen können;

aktuelle gesellschaftliche und politische Bewegungen im Hinblick auf ihre sinnstiftenden Narrative analysieren können; die Ambivalenz von Sinnstiftung erkennen: als Ressource für Orientierung und Gemeinschaft, aber auch als möglicher Ausgangspunkt von Ideologisierung, Abhängigkeit oder Ausgrenzung.

Zu erwerbende Kompetenzen auf der Handlungsebene:

Die Studierenden sollen im Seminar folgende Kompetenzen erwerben bzw. vertiefen:

komplexe theoretische Texte erschließen, zusammenfassen und kritisch diskutieren; unterschiedliche theoretische Perspektiven miteinander vergleichen und auf gegenwärtige gesellschaftliche Phänomene beziehen; eigene Positionen zur Frage von Sinn, Nihilismus und Gemeinschaft argumentativ entwickeln und begründen; aktuelle politische, religiöse oder gesellschaftliche Sinnangebote kritisch analysieren; in Diskussionen differenziert argumentieren und auf andere Perspektiven eingehen; kurze Impulsreferate oder Diskussionsbeiträge vorbereiten und verständlich präsentieren; interdisziplinäre Denkweisen einüben, indem philosophische, anthropologische, biologische und gesellschaftstheoretische Ansätze miteinander ins Gespräch gebracht werden;

die eigene Rolle in Sinn- und Gemeinschaftsangeboten reflektieren und deren mögliche Grenzen kritisch einschätzen.